Vladimir Ivanoff: Miserere / Sacred Treasures II

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Hörproben
  • 1 Miserere mei
  • 2 Et secundum
  • 3 Amplius
  • 4 Tibi soli
  • 5 Ecce enim
  • 6 Asperges me
  • 7 Averte faciem
  • 8 Cor mundum
  • 9 Danza I
  • 10 Quoniam si voluisses
  • 11 Tunc acceptabis
  • 12 Sofferenza
  • 13 Tunc imponent
  • 14 Danza II

Das “Miserere” von Gregorio Allegri - arrangiert von Vladmir Ivanoff - gesungen vom Osnabrücker Jugendchor unter Johannes Rahe. Vladimir Ivanoffs zukunftsweisendes Arrangement von Gregorio Allegris Miserere für Chor und Cornetto regte eine ganze Reihe von ähnlichen Konzepten anderer Künstler an. Stücke aus dieser CD sind Teil der Soundtracks von zahlreichen Filmen, darunter "A Place Beyond the Pines" (2013) 

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Gregorio Allegri: Miserere

Der 51. Psalm hat in der katholischen Liturgie wichtige Aufgaben: im Totenoffizium, im Stundengebet und in der Liturgie der Karwoche. Außerhalb der Liturgie unterstützt er in Andachten die Buße.

 Mehrstimmige Vertonungen des Psalms wurden vor allem für die Karliturgie und für die Andachten während der Fastenzeit, in geringerer Zahl auch für das Totenoffizium komponiert. Als Teil der liturgischen Stunden-Feiern (Offizium), vor allem in den Tenebrae der Karwoche, wurde die mehrstimmige Vertonung des Miserere in Rom zu einer eigenen musikalischen Gattung.

 Diese Tradition, wurde während der Herrschaft von Papst Leo X. (1513-1521) eingeführt und war bis 1870 ein fester Bestandteil der liturgischen Feiern in der Karwoche. Den ältesten noch erhaltenen Satz komponierte Costanzo Festa (1490-1545) im Jahr 1518. Er nutzt den Falsobordone, eine sehr schlichte homophone Satztechnik. Zwei Chöre alternieren mit dem Vortrag der einstimmigen gregorianischen Choräle. Festas Komposition ist die erste von insgesamt zwölf Miserere-Vertonungen, die in einer zweibändigen Handschrift der päpstlichen Kapelle erhalten sind. Zehn weitere Komponisten (u. a. Guerrero und Palestrina) sind dort vertreten. Allegris Miserere-Sätze schließen die Handschrift ab.

 Gregorio Allegris (1582-1652) war nach 1630 als Sänger des päpstlichen Ensembles von Urban VIII. tätig. Seine ältere Miserere-Vertonung (entstanden vor 1638) für die Sixtinische Kapelle nutzt, wie die Komposition Festas, die Alternatim-Struktur: einstimmige Choräle und mehrstimmige homophone Sätze werden abwechselnd gesungen. Mit zwei Falsobordone-Modellen werden die die ungeradzahligen Verse des Psalms gesungen.

Allegris Miserere hatte im Repertoire der Sixtinischen Kapelle über Jahrhunderte eine entscheidende Rolle. Das Kopieren der Noten wurde unter Androhung der Exkommunikation untersagt, was sicher zur mythischen Bedeutung dieses Werkes beitrug. Um 1770 waren nur drei Kopien der Komposition bekannt. Eine davon war im Besitz des Königs von Portugal, eine weitere befand sich in der Privatbibliothek des Theoretikers und Komponisten Padre Giovanni Battista Martini (1706-1784); eine dritte Kopie wurde in der Hofbibliothek zu Wien aufbewahrt. Sie entstand im Auftrag von Kaiser Leopold I. (1640-1705), der seinen Botschafter in Rom beauftragt hatte, den Papst darum zu bitten. Nach langem Zögern folgte der Papst der Bitte, aber als das Werk schließlich in Wien aufgeführt wurde, war seine Wirkung so enttäuschend, dass der Kaiser glaubte, mit einer minderwertigen Komposition betrogen worden zu sein. Der vierzehnjährige W. A. Mozart hörte angeblich das Stück in der Sixtinischen Kapelle und notierte es aus dem Gedächtnis; der englische Musikschriftsteller Charles Burney veröffentlichte dann 1771 als Erster den Notentext.

 Die eigentliche Wirkung dieser an sich sehr schlicht gebauten Komposition beruhte wohl auch auf der virtuosen improvisatorischen Gestaltung (Auszierung und Umspielung ) der Oberstimme und der prunkvoll-mystischen Atmosphäre der liturgischen Feiern in der Sixtinischen Kapelle. In der Tenebrae-Liturgie wurden 27 Kerzen nacheinander gelöscht, bis nur noch eine brannte. Dann kniete sich der Papst, während das Miserere erklang, vor dem Altar zum Gebet nieder.

 Allegris Miserere hat keine vom Komponisten intendierte Urfassung. Die über lange Zeit nur mündliche Überlieferung, der hohe Anteil von Improvisation in der Aufführung, schließlich die zahlreichen, unterschiedlich „interpretierenden“ Notenausgaben und Arrangements seit 1771; das alles öffnet den Weg zu einer einzigartig offenen Raum für die Interpretation dieses Werkes, welches durch seine ungewöhnliche Überlieferungsgeschichte fast als „naturgegeben“ betrachtet werden kann.

 So ist das Arrangement für die vorliegende Einspielung nicht an Notentexte gebunden.

Es gibt den Sängern und dem Saxophonisten Anregungen, sich über meist ungewisse Zeiträume aus der schlichten Struktur zu lösen; sich individuelle Freiheit zu verschaffen; dann vielleicht wieder in die stützende gemeinschaftliche Struktur zurück zu kehren. Auf einer weiteren konzeptuellen Ebene führt der Saxophonist mit dem Chor ein Gespräch: Dialog, Kommentar, das Finden von Gemeinsamkeiten und Widersprüchen, ihre Akzentuierung und die Versuche für Momente ein gemeinschaftliches Ganzes zu schaffen. Dieses Gespräch nutzt die liturgisch vorgegebene und die kompositorische Struktur des Miserere als offenes Haus, als schutzgebenden Raum, der Begegnungen ermöglicht.

 Vladimir Ivanoff

1 Miserere mei    (5:30)

2  Et secundum    (4:37)

3  Amplius   (4:23)

4  Tibi soli    (2:33)

5  Ecce enim    (5:48)

6  Asperges me    (5:13)

7  Averte faciem    (2:21)

8  Cor mundum    (5:28)

9 Danza I    (3:29)

10  Quoniam si voluisses    (3:34)

11 Tunc acceptabis    (2:22)

12 Sofferenza    (3:10)

13 Tunc impotent    (3:18)

14 Danza II    (3:34)




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